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Schule kann ein Stück Heimat sein - Abiturfeier 2018 des CJD-Gymnasium

09.07.2018 CJD Berchtesgaden Gymnasium « zur Übersicht

Schönau am Königssee – Die Abiturienten des Gymnasiums der CJD Christophorusschule am Dürreck wurden feierlich verabschiedet. Zwar zwang der Dauerregen zu Korrekturen im Ablauf der Feierstunde, die komplett »unter Dach« stattfand, doch tat das der Freude bei Absolventen, Eltern, Verwandten, Freunden und anderen Gästen keinen Abbruch. Die wohl wichtigste Zahl des Tages war: Zur Prüfung waren 38 Schülerinnen und Schüler angetreten und ebenso viele erhielten nun am Freitag ihre Abiturzeugnisse in der Turnhalle.

Mit dem Kopfsatz von Bedrich Smetanas »Moldau«, interpretiert von Querflöte und Klavier, begann die Entlassungsfeier der CJD Christophorusschule am Dürreck. Nach der von Martin Kienast gehaltenen Andacht riet Jahrgangsstufenbetreuer Heinrich Neuhaus zur Gelassenheit, dabei mehr zu lachen und miteinander zu reden und vor allem die kleinen Macken gegenseitig nicht allzu ernst zu nehmen. Die Christophorusschule sei in dieser Hinsicht geradezu vorbildlich, meinte er. Habe man es doch immer wieder geschafft, im persönlichen Gespräch und mit Respekt Probleme aus dem Weg zu räumen und dabei auch nicht den Humor vergessen.

»Lassen Sie sich nicht von Trump...eltieren dieser Welt und Internetgiganten und multinationalen Konzernen in eine falsche virtuelle Welt führen und zu gedankenlosen Konsumenten herabstufen«, wollte Neuhaus seinen ehemaligen Schülern mit auf den Weg geben. Die Welt sei wunderschön, vielfältig und herausfordernd und brauche »Sie als kritische und eigenständig und verantwortungsvoll handelnde zukünftige Führungskräfte«.

 

Glückwünsche vom Landkreis

Grußworte folgten. Elisabeth Hagenauer, die den Landrat vertrat und Glückwünsche im Namen des Landkreises überbrachte, erinnerte daran, dass man nicht den Gipfel ersteige, um gesehen zu werden, sondern, um zu sehen. Mit auf den Weg geben wollte sie den Abiturienten, dass sie neugierig bleiben sollten und vor allem allzu einfache Antworten zu hinterfragen. Richard Lenz, zweiter Bürgermeister von Schönau am Königssee, überbrachte die guten Wünsche seiner Gemeinde und riet, vor allem fröhlich und heiter zu bleiben und Geduld zu haben.

Und Petra Sobinger überbrachte im Namen des Elternbeirats die Glückwünsche und erinnerte daran, dass auch Eltern mit dem Abschluss der Schulzeit und dem Erhalt der Abiturzeugnisse vor einer neuen Situation stünden und am Übergang genauso Freude, Stolz und auch ein wenig Wehmut empfänden.

»Der Weg war lang und beschwerlich. Trotzdem hat es sich gelohnt.« Das bekannte Theresa Graßl als Vertreterin des Abiturientenjahrgangs. Glück hätten sie gehabt, zu einer Schulgemeinschaft gehören zu dürfen, die sich an einem Ort befindet, an dem andere gerne Urlaub machen. Jetzt sei Zeit zu feiern, aber auch »Danke« zu sagen, allen, die »uns auf unserem Weg, dem ersten großen Meilenstein in unserem Leben, begleitet und unterstützt haben«.

Durch den Einsatz vieler konnten die Nachwuchssportler ihrer Leidenschaft nachgehen, weil durch Training und Lehrgänge versäumte Unterrichtsstunden nachgeholt wurden, wofür man »unfassbar dankbar« sei. »Ihr habt an uns geglaubt und uns auch in schwierigen Phasen nie von der Hand genommen und bis zur Ziellinie gebracht.«

 

Die Besten

Die Lockstoa-Musi sorgte für die musikalischen Akzente der Feier, auch unmittelbar vor dem wohl von den meisten so empfundenen Höhepunkt: der Ausgabe der Zeugnisse. Die wurde von Schulleiter Stefan Kantsperger, seinem Stellvertreter Dr. Herbert Höpfner sowie von Axel Fuchslechner vorgenommen.

Die besonderen Ehrungen für herausragende Leistungen nahmen traditionell die Vertreter der Gemeinden des Talkessels vor. Bischofswiesens beziehungsweise Marktschellenbergs Bürgermeister Thomas Weber und Franz Halmich sowie Richard Lenz und Berchtesgadens stellvertretender Bürgermeister Bartl Mittner durften Marie Wagner, Johannes Denner und Laura Santl für ihre besonderen Leistungen und vor allem für einen herausragenden Abschluss auszeichnen. Marie Wagner erreichte einen Notendurchschnitt von 1,1, Johannes Denner und Laura Santl jeweils 1,2. Eine Würdigung erhielt Kathrin Graßl für ihr soziales Engagement. Sie war beispielsweise lange Schülersprecherin, half beim Nachhilfeprogramm und machte sich bei der Kinderbetreuung sowie der Seniorenunterhaltung im Bereich der evangelischen Kirche verdient.

 

Bonhoeffer-Preisgeht an Florian Datz

Eine Besonderheit der Christophorusschule ist die jährliche Vergabe des Bonhoeffer-Preises. Dieser Preis erinnert an den Pfarrer Dietrich Bonhoeffer, der Widerstand gegen den Nationalsozialismus leistete und sein Engagement in den letzten Kriegstagen mit dem Leben bezahlen musste. Bonhoeffer wurde im KZ Flossenbürg hingerichtet, wie Korbinian Baumann erläuterte. Eine Laudatio auf den diesjährigen Preisträger Florian Datz hielt Dr. Matthias Irlinger, Bildungsreferent der Dokumentation Obersalzberg. Irlinger lobte das Engagement von insgesamt acht Schülern, die in Kooperation mit der Dokumentation Obersalzberg an regionalgeschichtlichen Projekten beteiligt waren. Besonderes Engagement habe Florian Datz bewiesen, für den Geschichte mehr als ein Unterrichtsfach sei und der es dabei auch verstanden habe, immer wieder Mitschülerinnen und Mitschüler für die Zusammenarbeit zu gewinnen.

Mit dem Thema Heimat beschäftigte sich Schulleiter Stefan Kantsperger in seiner Abschiedsrede. Im Normalfall führe der Weg nach dem Abitur weg von der Heimat zur weiteren Ausbildung. Im speziellen Fall der Christophorusschule verlaufe es bei vielen Schülern aber genau umgekehrt. Sie kehrten nun aus dem Internat in die Heimat zurück. Die mit dem Heimatbegriff stark verbundene Zeit der Romantik sei, so Stefan Kantsperger, eine Gegenbewegung zur Aufklärung gewesen, die alles mit dem Verstand allein erfassen wollte, aber auch den Wunsch nach einer heilen Welt, nach Gefühlen, Träumen und Individualität weckte. »Die spezifisch deutsche Vorstellung von Heimat entstand.« Inzwischen, sagte der Schulleiter, habe sich die Bedeutung von Heimat natürlich verändert. Könne vielleicht sogar eine Schule, die ein vertrauter Ort wird, an der man einen Großteil seiner Zeit verbringt und die Mehrzahl seiner sozialen Kontakte erlebt, Heimat sein, fragte Kantsperger. Ein Gefühl, das sich verstärken kann, wenn man diesen vertrauten Ort verlässt oder verlassen muss.

Ideologisch aufgeladen und missbraucht könne der Heimatbegriff durchaus der erste Schritt zur Ausgrenzung sein, zumindest ein Mittel, um politisches Kapital daraus zu schlagen. Deshalb sei man gut beraten, den Heimatbegriff weiterhin als Verbundenheit mit einer Region und deren Tradition zu sehen. Und wenn die nun zur Abreise bereiten Abiturienten die »alte Schule« als ein Stückchen Heimat sähen und gelegentlich wiederkehrten, freue es ihn sehr.                

Dieter Meister / BGD-Anzeiger